Läuft das Wasser im Waschbecken nur noch langsam ab, sitzt die Ursache meistens im Siphon oder kurz dahinter im Abflussrohr. Und genau an dieser Stelle kommen Sie mit einfachem Werkzeug oft selbst weiter. Hier erfahren Sie, wie Sie den Siphon auseinandernehmen und säubern, was mechanische Hilfsmittel und Hausmittel tatsächlich bringen und an welchen Zeichen Sie erkennen, dass das Problem weiter hinten in der Leitung sitzt.
Was der Siphon eigentlich macht und warum er so oft verstopft
Mit Siphon ist das geschwungene Rohrteil gemeint, das direkt unter Waschbecken, Spüle oder Dusche sitzt. Seine wichtigste Aufgabe ist es, Gerüche fernzuhalten. Im Bogen bleibt nach jedem Ablaufen ein Rest Wasser zurück. Dieses sogenannte Sperrwasser bildet eine Barriere zwischen Ihrer Wohnung und der Abwasserleitung, sodass keine Kanalgase hochziehen können. Fachleute sprechen deshalb vom Geruchsverschluss. Stinkt es aus einem Abfluss, der kaum benutzt wird (typisch: Gästebad oder nach zwei Wochen Urlaub), ist häufig einfach das Sperrwasser weg. Lassen Sie dann kurz Wasser laufen, und das Thema ist erledigt.
Zu Hause haben Sie es meist mit einer von zwei Bauarten zu tun. Der Röhren- oder Bogensiphon besteht aus einem U-förmigen Rohr und lässt sich gut durchspülen. Der Flaschensiphon hat einen runden Behälter, dessen Unterteil Sie abschrauben können und in dem sich der Dreck sammelt. Fürs Saubermachen ist das bequem, gleichzeitig bleiben dort aber Haare und Seifenreste besonders gern hängen. Bei Dusche und Badewanne liegt der Geruchsverschluss in der Regel flach im Ablauf und ist von oben erreichbar, sobald Sie die Abdeckung abnehmen.
Ausgerechnet der Bereich, der das Wasser festhält, hält auch alles auf, was mitgespült wird. In der Küche setzt sich vor allem Fett fest. Diese Beläge bauen sich Schicht für Schicht auf und machen den Rohrquerschnitt immer enger, was man als Verjüngung bezeichnet. Anfangs fließt das Wasser nur etwas zäher ab. Ist der Querschnitt weit genug zugewachsen, genügt ein kleines Haarknäuel, um den Rest dichtzumachen. Wenn Sie schon beim ersten trägen Ablaufen eingreifen, kommt es meist gar nicht erst zur vollen Verstopfung.
Den Siphon säubern: Schritt für Schritt erklärt
An den meisten Waschbecken und Spülen bekommen Sie den Siphon ohne Werkzeug ab, denn die Überwurfmuttern aus Kunststoff sind nur von Hand festgedreht. Bei älteren Siphons aus Metall nehmen Sie eine Wasserpumpenzange (Tipp: ein Lappen zwischen Zange und Mutter schützt die Oberfläche vor Kratzern).
Siphon abbauen und säubern
- Platz schaffenRäumen Sie den Unterschrank leer, legen Sie ein altes Handtuch aus und stellen Sie einen Eimer unter den Siphon. Ziehen Sie Gummihandschuhe an, im Siphon steht nämlich grundsätzlich noch Wasser.
- Siphon abschraubenBeim Flaschensiphon drehen Sie das Unterteil ab. Beim Röhrensiphon lockern Sie die obere Mutter am Ablaufventil und die untere am Wandanschluss und ziehen den Bogen nach unten heraus. Merken Sie sich, wie die Dichtungen sitzen.
- Einzelteile reinigenGroben Schmutz entsorgen Sie im Restmüll, nicht in der Toilette. Dann die Teile mit heißem Wasser, Spülmittel und einer Flaschenbürste säubern. Gegen Kalkränder hilft verdünnter Essig.
- Wandrohr und Ventil kontrollierenIst der Siphon ab, schauen Sie direkt ins Wandrohr. Was Sie dort an Schmutz sehen, holen Sie mit Bürste oder einer kurzen Spirale heraus. Reinigen Sie außerdem das Ablaufventil im Becken von oben, denn dort sammeln sich häufig die meisten Haare.
- Zusammenbauen und prüfenTauschen Sie rissige oder verformte Dichtungen aus, schrauben Sie den Siphon handfest an und lassen Sie ordentlich Wasser durchlaufen. Legen Sie ein trockenes Papiertuch unter die Verbindungen, dann sehen Sie sofort, ob etwas tropft.
In welchen Abständen reinigen und wie Sie vorbeugen
Als grobe Orientierung: Den Siphon im Bad etwa alle drei bis sechs Monate säubern, den in der Küche eher alle ein bis drei Monate. Mit einem Abflusssieb fangen Sie Haare und Essensreste ab und können die Abstände strecken. In der Küche lohnt es sich, auf versteckte Fettquellen zu achten. Beim Reinigen von Backofen und Backblech landen eingebranntes Fett und Bratreste oft im Spülbecken. Im warmen Wasser sieht das unproblematisch aus, im kälteren Rohr wird es aber fest. Wischen Sie die Reste lieber vorher mit Küchenpapier auf und werfen Sie es in den Restmüll (dasselbe gilt fürs Bratfett aus der Pfanne).
Abfluss frei bekommen mit Saugglocke und Rohrreinigungsspirale
Steckt die Verstopfung hinter dem Siphon im Wandrohr, kommen Sie mit mechanischen Hilfsmitteln meistens weiter als mit irgendeiner Flüssigkeit. Einen festen Pfropfen können Sie bewegen oder zerkleinern, auflösen lässt er sich dagegen nur sehr langsam.
Pümpel/Saugglocke richtig benutzen
Der Pümpel, auch als Saugglocke bekannt, arbeitet mit Druck und Sog. Wichtig ist, dass die Luft nirgendwo sonst entweichen kann. Drücken Sie also einen nassen Lappen auf den Überlauf des Beckens. Bei einer Doppelspüle dichten Sie auch den zweiten Ablauf ab. Lassen Sie ein paar Zentimeter Wasser im Becken, damit die Glocke vollständig untergetaucht ist. Setzen Sie sie gerade auf und pumpen Sie mehrmals kräftig und im gleichen Takt. (Tipp vom Profi: Das Hochziehen bewirkt oft mehr als das Runterdrücken.)
Rohrreinigungsspirale: wenn die Verstopfung weiter hinten steckt
Mit einer Handspirale kommen Sie an Verstopfungen heran, die für den Pümpel zu weit weg liegen. Bauen Sie dafür den Siphon ab und schieben Sie die Spirale direkt ins Wandrohr, nicht durchs Ablaufventil. Führen Sie sie langsam ein und drehen Sie dabei gleichmäßig an der Kurbel. An Rohrbögen merken Sie einen Widerstand. Dort nicht mit Gewalt schieben, sondern weiterkurbeln, bis die Spitze um die Ecke kommt. Stößt sie auf den Pfropfen, zerkleinern Sie ihn mit Vor- und Rückbewegungen oder wickeln den Schmutz auf und ziehen ihn heraus.
Der häufigste Fehler: zu viel Kraft. In älteren Häusern sind Rohre und Verbindungen mitunter spröde. Verkantet sich die Spirale, kann sie Dichtungen beschädigen oder stecken bleiben. Wenn Sie nach ein paar Anläufen nicht durchkommen oder das Wasser kurz danach wieder steht, liegt die Ursache wahrscheinlich weiter hinten in der Leitung.
Hausmittel im Check: was Natron, Backpulver und Essigessenz bringen
Natron mit Essig ist das bekannteste Hausmittel. Dazu kommen zwei bis drei Esslöffel Natron in den Abfluss, danach eine halbe Tasse Essig. Kurz einwirken lassen und dann mit heißem Wasser nachspülen. Das Ganze schäumt stark, weil bei der Reaktion Kohlendioxid frei wird. Säure und Natron heben sich dabei aber größtenteils gegenseitig auf. Die Reinigungswirkung ist deshalb in erster Linie mechanisch: Der Schaum löst lockere Beläge von der Rohrwand.
Bei einem leicht schmierigen, träge laufenden Abfluss kann die Mischung also etwas bringen, am besten als regelmäßige Pflege. Einen festen Pfropfen aus Haaren oder festgewordenem Fett bekommen Sie damit aber nicht weg. Wenn Sie zum dritten Mal nachfüllen und sich nichts rührt, ist das nur verlorene Zeit.
Backpulver und Essigessenz: das sollten Sie wissen
Backpulver wird gern als Alternative zu Natron empfohlen. Tatsächlich ist es eine Mischung aus Natron, einer Säure und einem Trennmittel. Es schäumt daher weniger, und das Trennmittel hilft beim Reinigen überhaupt nicht. Essigessenz ist viel stärker konzentriert als normaler Haushaltsessig. Pur und oft verwendet kann sie Gummidichtungen und bestimmte Metalloberflächen angreifen. Normaler Haushaltsessig oder verdünnte Essenz genügt vollkommen.
Reines heißes Wasser hilft bei frischen Fettablagerungen. Moderne HT-Kunststoffrohre kommen mit heißem Wasser gut klar, für kurze Zeit sogar mit kochendem. Aufpassen müssen Sie nur bei sehr alten PVC-Leitungen (dort lieber heißes Wasser aus dem Hahn statt aus dem Wasserkocher nehmen).
Chemischer oder biologischer Abflussreiniger: was taugt wofür?
Chemische Rohrreiniger aus dem Laden sind überwiegend stark alkalisch, einige auch sauer. Sie zersetzen organisches Material wie Haare und Fett. Alkalische Granulate werden dabei zum Teil spürbar heiß. Biologische Reiniger setzen dagegen auf Enzyme oder Mikroorganismen, die organische Ablagerungen nach und nach abbauen, häufig über mehrere Stunden oder eine ganze Nacht.
Beide Reiniger-Arten gegenübergestellt
Chemischer Rohrreiniger
- Greift Haare und Fett relativ zügig an
- Verätzt Haut und Augen, die Dämpfe reizen
- Kann alte Rohre und Dichtungen schädigen
- Geht die Verstopfung nicht weg, steht aggressive Flüssigkeit im Rohr
Biologischer Reiniger
- Rohre und Dichtungen werden geschont
- Eignet sich gut gegen neue Beläge
- Braucht Geduld, oft eine ganze Nacht
- Bei festen Verstopfungen meist ohne Wirkung
Inhaber Erkan Aslan erlebt diese Situation im Einsatz regelmäßig: Zuerst landet eine komplette Flasche Rohrreiniger im vollgelaufenen Abfluss, und dann passiert nichts. Jetzt steht ätzende Lauge im Becken. Alles, was danach kommt, ob Pümpel oder Spirale, wird gefährlich, weil Spritzer auf die Haut und in die Augen gehen können. Haben Sie bereits Chemie verwendet, erwähnen Sie das unbedingt, wenn Sie den Fachbetrieb anrufen.
Biologische Reiniger sind also etwas für die Pflege, zum Beispiel in der Küche alle paar Wochen. Chemische Reiniger kommen allenfalls bei einem etwas langsameren Abfluss in Frage, aber niemals, wenn gar nichts mehr abläuft. In dem Fall ist mechanisches Lösen der sichere Weg.
Abflüsse mit dem Druckreiniger aus dem Baumarkt säubern
Viele Hochdruckreiniger lassen sich mit einem Rohrreinigungsschlauch nachrüsten. Dessen Düse hat Öffnungen, die nach hinten zeigen. Der Wasserstrahl spült so die Rohrwand sauber und zieht den Schlauch zugleich weiter ins Rohr.
Brauchbar ist das Zubehör bei leicht erreichbaren, geraden Leitungen draußen, zum Beispiel an einem Hofablauf mit etwas Schlamm. Im Haus sieht es anders aus. Hinter Waschbecken und Spüle sind die Leitungen schmal und haben mehrere Bögen, in denen der Schlauch hängen bleiben kann. Dazu kommt: Der Strahl schiebt einen festen Pfropfen unter Umständen nur tiefer in die Leitung, anstatt ihn aufzulösen.
- Abwasser spritzt zurück: ohne Schutzbrille und Handschuhe geht es nicht
- Alte oder spröde Verbindungen können unter dem Druck undicht werden
- In Bögen kann sich der Schlauch verklemmen und ist dann schwer herauszuholen
- Steht schon Wasser im Becken, kann es überlaufen
- War vorher chemischer Reiniger im Spiel, verteilt der Strahl die Lauge
Von der professionellen Hochdruckspülung unterscheidet sich das weniger im Prinzip als in der Technik. Fachbetriebe setzen Düsen und Wassermengen ein, die zum Rohrdurchmesser und zum Material passen. Hinterher können sie das Ergebnis per Kanal-TV-Untersuchung überprüfen. Dabei wird klar, ob nur Ablagerungen beseitigt wurden oder ob in Wahrheit ein Schaden wie ein Rohrversatz oder Wurzeleinwuchs dahintersteckt.
Wo Heimwerken an seine Grenzen kommt
Viele alltägliche Verstopfungen bekommen Sie mit den beschriebenen Mitteln selbst gelöst. Manche Anzeichen sprechen aber dafür, dass nicht nur ein einzelnes Becken betroffen ist. Dann liegt das Problem tiefer in der Hausleitung oder am Übergang zum Kanal.
Anzeichen richtig deuten
| Anzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|
| Nur ein Becken läuft langsam ab | Beläge im Siphon oder im Wandrohr | Siphon reinigen, danach pümpeln |
| Geruch ohne Verstopfung | Sperrwasser verdunstet oder Beläge im Siphon | Wasser nachlaufen lassen, Siphon reinigen |
| Mehrere Abflüsse gleichzeitig langsam | Verstopfung in Fall- oder Grundleitung | Fachbetrieb hinzuziehen |
| Gluckern in anderen Abflüssen beim Spülen | Teilverstopfte Leitung oder Belüftungsproblem | Ursache fachlich prüfen lassen |
| Wasser steigt im Keller-Bodenablauf hoch | Grundleitung oder Kanalanschluss blockiert | Wasserverbrauch stoppen, Notdienst rufen |
| Verstopfung kehrt nach Wochen zurück | Starke Ablagerungen oder Rohrschaden | Kanal-TV-Untersuchung |
Kommt Wasser aus einem Bodenablauf im Keller oder aus der Dusche im Erdgeschoss hoch, steckt die Störung meist in einer tiefer gelegenen Leitung. Jedes Spülen der Toilette und jeder Lauf von Wasch- oder Spülmaschine schiebt dann weiteres Abwasser hinterher. Drehen Sie deshalb den Wasserverbrauch im Haus so weit wie möglich herunter, bis klar ist, woran es liegt.
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